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Warum wir emotional oft stärker reagieren, als wir eigentlich möchten



„Eigentlich wollte ich gar nicht so reagieren.“

Ein Satz, den viele Menschen aus belastenden Situationen kennen.Manchmal reichen kleine Auslöser – ein kritischer Blick, eine verspätete Nachricht, ein Konflikt oder das Gefühl, nicht gesehen zu werden – und plötzlich reagieren wir viel stärker, als wir es selbst verstehen können.

Vielleicht werden wir sehr traurig, wütend, ziehen uns zurück oder beginnen, an uns selbst zu zweifeln. Oft entsteht danach zusätzlich Scham oder das Gefühl:„Warum bin ich so empfindlich?“

Doch starke emotionale Reaktionen entstehen selten „einfach so“.


Wenn alte Erfahrungen im Heute mitreagieren

In der Schematherapie gehen wir davon aus, dass Menschen im Laufe ihres Lebens bestimmte innere Muster entwickeln. Diese entstehen oft durch frühe Erfahrungen, Beziehungen oder Situationen, in denen wichtige emotionale Bedürfnisse nicht ausreichend erfüllt wurden.

Zum Beispiel:

  • das Bedürfnis nach Sicherheit,

  • gesehen werden,

  • Verständnis,

  • Zugehörigkeit,

  • Verlässlichkeit,

  • oder das Gefühl, gut genug zu sein.


Wer beispielsweise häufig kritisiert, zurückgewiesen oder emotional allein gelassen wurde, entwickelt oft einen besonders empfindlichen inneren „Alarm“ für ähnliche Situationen im Erwachsenenleben.

Das bedeutet nicht, dass Betroffene „übertreiben“.Vielmehr reagiert ein innerer Teil auf alte Erfahrungen, obwohl die Situation heute vielleicht eine andere ist.


Warum reine Einsicht oft nicht ausreicht

Viele Menschen verstehen rational längst, dass sie heute erwachsen sind oder Situationen objektiv anders einschätzen könnten. Trotzdem fühlen sich emotionale Reaktionen oft überwältigend an.

Denn emotionale Muster sitzen nicht nur im Denken – sie zeigen sich auch im Körper, in Gefühlen und automatischen Reaktionen.

Deshalb reicht „positiv denken“ häufig nicht aus.

In der Psychotherapie arbeiten wir daher nicht nur mit Gesprächen, sondern oft auch mit:

  • inneren Bildern,

  • Imaginationen,

  • Therapie-Karten,

  • Aufstellungsarbeit,

  • Körperwahrnehmung,

  • oder dem bewussten Wahrnehmen verschiedener innerer Anteile.


Innere Anteile sichtbar machen

Viele Menschen erleben in sich unterschiedliche Seiten:

  • einen sehr strengen inneren Kritiker,

  • einen verletzlichen Anteil,

  • einen funktionierenden Anteil,

  • oder einen Teil, der sich zurückzieht und schützt.


Sobald diese inneren Dynamiken sichtbar und verständlich werden, entsteht oft zum ersten Mal Mitgefühl für sich selbst statt ständiger Selbstabwertung.


Veränderung beginnt oft mit Verstehen

Psychotherapie bedeutet nicht, Gefühle „wegzumachen“.Oft beginnt Veränderung vielmehr dort, wo Menschen lernen, ihre eigenen Reaktionen besser zu verstehen, Bedürfnisse wahrzunehmen und neue Erfahrungen mit sich selbst zu machen.

Nicht gegen sich zu arbeiten – sondern Schritt für Schritt mehr in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

 
 
 

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